Am Samstag, den 08. März 2014 fand in der Ehemalige Klosterkirche St. Quirinus Tegernsee Orgelkonzert mit Lichtinstallation statt.

Architekturbeleuchtung in der Klosterkirche St. Quirinus Tegernsee

Architekturbeleuchtung in der Klosterkirche St. Quirinus Tegernsee

Die Werke

Johann Sebastian Bach, 1685-1750, Fantasie und Fuge in g, BWV 542

Felix Mendelssohn-Bartholdy, 1809-1847, 6. Orgelsonate d-Moll, op.65/6, Variationen über „Vater unser im Himmelreich“ – Fuge – Finale

Johann Sebastian Bach, 1685-1750, Praeludium und Fuge in f, BWV 534

César Franck, 1822-1890, Prélude, Fugue, Variation, op.18

Leon Boëllmann, 1862-1887, Suite Gothique, op.25

Arvo Pärt, *1935, Mein Weg hat Gipfel und Wellentäler

Architekturbeleuchtung in der Klosterkirche St. Quirinus Tegernsee

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Bachs g-Moll Fantasie kann als letztes kunstvoll übersteigertes Exempel des einst in Lüneburg, Hamburg und Lübeck vermittelten „Stylus phantasticus“ gesehen werden. Der klaren 5-teilen Anlage des Satzes, bei dem sich frei gestaltete rezitativische Abschnitte mit satztechnisch regulierten, imitatorisch angelegten Passagen alternieren steht eine in ihrer Schärfe zugespitze Harmonik, die als hochexpressiv gelten muss gegenüber. Die bereits früher entstandene Fuge, die in nicht weniger als 20 Abschriften überliefert ist, verfasste Bach wohl im Zuge seiner Bewerbung auf das Organistenamt in St. Jacobi, Hamburg. Das wunderbar durchkonzipierte Stück wird von einem Hamburger Kopisten gar als „das allerbeste Pedal-Stück vom Herrn Johann Sebastian Bach“ bezeichnet.

Die 6. Orgelsonate Mendelssohns wird dominiert von ihrem ersten Satz. Dem eingangs vorgestellten Choral „Vater unser im Himmelreich“ folgen 4 Variationen deren vierte in ihrer aufbrausenden Art ein treffliches Beispiel für das in der romantischen Belletristik oftmals erwähnte „Aufbrausen“ der Orgel ist. Attacca schließt sich die Fuge an, deren Thema eine Verformung der ersten Choralzeile darstellt. Abgeschossen wird die Sonate in einem D-Dur Satz von Schubert’scher Süße. Ein lieblicher Abgesang auf den gesamten Sonatenzyklus, zart und wehmütig zugleich.

Das in nur einer einzigen Abschrift erhaltene Werkpaar Praeludium und Fuge in f-Moll (BWV 534) muss sich bis auf den heutigen Tag die Authentizität seiner Urheberschaft anzweifeln lassen. Gerade die nicht durchgehaltene Fünfstimmigkeit der Fuge sowie ihre formalen und satztechnischen Mängel lassen dies vermuten. Jedoch treten sie in den Hintergrund angesichts des großartigen expressiven musikalischen Ausdrucks.

Das filigrane Triptychon Prélude, Fugue, Variation von Cesar Franck besticht durch seine Schlichtheit und seinen ungehemmten musikalischen Fluss. Auf den wiegenliedhaften, im 9/8 Takt gehaltenen ersten Teil folgt eine kurze neuntaktige Überleitung (Lento), die als Suche nach dem Fugenthema beschrieben werden kann, das Franck aus der Synthese der Themen des Préludes gewinnt. Die durch ihre Farbigkeit und dynamischen Abstufungen bestechende Fuge endet mit crescendo dominantisch, um auf den letzten Teil überzuleiten. Die Variation greift die Melodie des Préludes wieder auf, umspielt und expressiv erweitert durch durchgehaltene Sechzehntel-Begleitfiguren in der linken Hand.

Das Attribut „gothique“ also „gotisch“ verwendet Boëllmann wohl bewusst um auf die archaisierende Form der ersten beiden Sätze seiner gleichnamigen Suite, Introduktion-Choral und Menuett. Einerseits erfüllt in beiden Sätzen das wuchtige forte den gesamten Raum, andererseits Entstehen durch Wiederholungen und Imitationen im piano beim Hörer die Assoziation von Nähe und Ferne. Der dritte Satz Priere a Notre Dame, „Gebet zur heiligen Jungfrau“ stellt eine mystische Mediation der Betrachtung eines Marienbildnisses dar.

Die abschließende Toccata in c-Moll stellt in ihrer großflächigen Anlage und gewaltigen Steigerung einen gravitätischen Abschluss der Suite gothique dar.

Mein Weg hat Gipfel und Wellentäler ist ein typisches Beispiel für den ausgereiften Personalstil Arvo Pärts, den sog. Tintinnabuli-Stil („Glöckchen“). Das Tonmaterial dieser 8-minütigen Mediation über die Textzeile aus einem Gedicht von Edmond Jabes entlehnt sich ausschließlich einer phrygischen Tonleiter plus gis. Behutsam registriert ergeben sich drei Ebenen (Achtel, Viertel, Halbe) in rechter Hand, linker Hand und Pedal.

Architekturbeleuchtung in der Klosterkirche St. Quirinus Tegernsee

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Lorenz Höß, Organist

Lorenz Höß, geboren 1993 in Tegernsee, entdeckte bereits in früher Kindheit seine Liebe zur Musik, insbesondere zur Kirchenmusik. Seit Beginn der Schulzeit verfolgt er seine musikalische Ausbildung auf den Instrumenten Klavier, Orgel, Horn und Gesang, sowie als Chorleiter. Im Jahre 2012 schloss er als jüngster Kursteilnehmer seine Ausbildung zum C-Kirchenmusiker in München mit Bestnote ab und befindet sich seit seinem Abitur 2011 im Studium der Schul-und Kirchenmusik an der Hochschule für Musik und Theater München (Klavier: Martin Rasch, Orgel: Prof. Harald Feller, Improvisation: Wolfgang Hörlin Chorleitung: Prof. Martin Steidler). Parallel dazu verzieht er als jüngster Kirchenmusiker im Dekanat Miesbach seinen Dienst in der Pfarrei Großhartpenning bei Holzkirchen, wo er sich vor allem der Chorarbeit widmet; außerdem ist er als Organist im regionalen und überregionalen Bereich tätig. Als Korrepetitor und Chorleiter arbeitete er wiederholt mit verschiedenen Ensembles, wie dem Palestrina Motettenchor Tegernsee, der Kantorei Tegernsee, den Sunshine Gospels, dem Bach-Chor Fürstenfeldbruck, dem Madrigalchor der Hochschule für Musik und Theater, München u.a., sowie zahlreichen Solisten im In- und Ausland zusammen, ergänzt durch Teilnahmen als Klavierbegleiter bei den Wettbewerben „Jugend musiziert“. Sein künstlerisches Schaffen wird abgerundet durch Mitgliedschaft in mehreren Chören, unter anderem im Palestrina Motettenchor Tegernsee, der Schola Cantorum München, die sich dem gregorianischen Choral verschrieben hat, und im Bayerischen Landesjugendchor, wo er unter der Leitung von namhaften Dirigenten wie Stefan Parkman und Peter Dijkstra, dem Leiter des Chores des bayerischen Rundfunks, wertvolle Erfahrungen sammeln konnte, sowie die Anfertigung mehrerer Kompositionen. In der bayerischen Chorakademie ist er als Chorleiterassistent und Dozent für Musiktheorie und Tonsatz tätig. Darüber hinaus begann er vor kurzem seine Ausbildung zum Mikrofon-und Synchronsprecher in Berlin.

Mathias Wolf, Lichtinstallation

Mathias Wolf, geboren 1992, studiert Elektro- und Informationstechnik an der Fachhochschule Rosenheim und ist besonders in der Jugendarbeit engagiert. Seit seiner Schulzeit beleuchtet er verschiedene Veranstaltungen wie Konzerte, Theater und Bandveranstaltungen. Im Jahr 2011 gründete er ein Kleingewerbe für Licht- und Tontechnik. Lorenz Höß und Mathias Wolf veranstalteten zusammen die „Nacht der Lichter“, bei der die Zuschauer spektakulären Lichtshows zu Filmmusik und professionell gesprochenen Texten verfolgten. Hier entstand auch die Idee eines Orgelkonzertes mit Lichtinstallation.

Architekturbeleuchtung in der Klosterkirche St. Quirinus Tegernsee

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